Q&A mit Matt Mullenweg beim WordCamp Europe 2015

Gerade findet das WordCamp Europe 2015 in Servilla, Spanien statt. Viele Menschen haben sich schon vor Ort eingefunden um die Community zu treffen und inspirierende Talks zu hören. Dieses große Event hat sich auch Matt Mullenweg (Co-Gründer von WordPress und CEO von Automattic) nicht nehmen lassen. Heute (Fr. 26. Juni 2015) hat Matt zudem eine Q&A Session gehalten, bei der er Fragen aus der Community beantwortet hat. Ich möchte euch kurz einen Überblick geben was gefragt und gesagt wurde. Da sehr viel gesagt wurde verzeiht mir wenn ich etwas vergesse oder etwas falsche hier schreibe – Ich hoffe da einfach auf eine starke Community und ergänzt mich nach besten Wissen.

Matt hat sich mutig allen Fragen beim WordCamp Europe 2015 gestellt

Wenn du könntest, was hättest Du gerne anders gemacht vor 10 Jahren?

Es war schön zu sehen mit welchen Fragen die Leute an Matt herantraten. Schon die erste Frage fand ich sehr interessant. Auf die Frage was Matt gerne anders gemacht hätte vor 10 Jahren hat mich selber überrascht. Er hätte nämlich gerne eine klarere Trennung zwischen WordPress.org und WordPress.com. Obwohl beide Dinge mit WordPress zu tun haben ist es nach wie vor eine der größten Verwirrungsstifter in der WordPress Szene.

Matt meinte, dass viele schnell mit WordPress anfangen können und wollen und daher auf WordPress.com beginnen. Aber sehr viele entwickeln sich auch weiter und werden dann z.B. Entwickler und wollen den nächsten Schritt gehen. Da kann diese Abstufung von .com und .org schon mal hinderlich sein.

Internationale WordPress.org Seiten – Stärkerer Fokus?

Die nächste Frage ging über die internationalen WordPress.org Seiten. Die .org Seiten sind in vielen Sprachen verfügbar u.A. Deutsch. Allerdings ist es nicht so einfach daran mit zu entwickeln wie es z.B. beim Core möglich ist. Es wäre schön, wenn Rosetta, das Theme welches hinter WordPress.org steht, eine höhere Priorität bekommen könnte.

Matt findet die Lokalisierung einen wichtigen Schritt und das sieht man ja auch mit den letzen Bestreben in diese Richtung. Allerdings stehen auf der Prioritätsliste noch viel Projekte die zuerst angegangen werden müssen. Aber es geht ja voran, schließlich gibt es seit neustem das Plugin Verzeichnis und das Theme Verzeichnis auf den internationalen Seiten und die Bestrebung diese Verzeichnisse stärker zu lokalisieren soll weiter verfolgt werden.

Bringen kostenpflichtige Themes mehr Wert?

Es wurde angemerkt, dass kostenpflichtige Theme wohl mehr Wert bringen, als es derzeit von Themes auf wordpress.org der Fall ist. Diese Anmerkung hat Matt allerdings erstmal etwas relativiert und gemeint, dass es eher den Eindruck vermittelt und das es durch aus sehr gute Theme gibt, die im Theme Verzeichnis gelistet sind. Allerdings bestreitet er nicht, dass die Meinung wohl vorherrscht und das es von WordPress Seite eine geeignete Alternative geben sollte, diesen Wert auch vermittelt.

Vor- und Nachteile von WordPress Stack

Entwickler haben sich auch ein paar Fragen überlegt und eine zielte sehr stark auf den Stack von WordPress ab. Mit dem Stack meint man üblicherweise Software Komponenten die im Produkt genutzt werden. Um den ganzen einen Kontext zu geben wurde Drupal genannt, die angekündigt haben, dass Drupal 8 auf Symphony2 (ein Framework) aufbauen wird (symphony.com). WordPress selber benutzt kein Framework und baut alles selber. Die Frage war nun, ob Matt kurz Vor- und Nachteile nennen kann warum WordPress so entwickelt wird.

Ein Nachteil, den Matt nannte, ist, dass alles selber entwickelt werden muss und nichts aus einer bestehenden Codebase genutzt werden kann. Allerdings bietet der Verzicht auf ein Framework auch eine gewisse Flexibilität und man kann Dinge so implementieren wie man es gerne möchte. Matt merkte zudem an, dass der Code von WordPress sich ja steht weiter entwickelt und Teile von WordPress stetig überarbeitet werden. Allerdings macht man das immer Stück für Stück und versucht nicht WordPress auf einmal zu Überarbeiten.

Matt ist von dieser Strategie überzeugt und verwies auf den Marktanteil, den WordPress (~24%) gegenüber Drupal (~2%) hat. Anscheinend läuft es ja.

Drupal oder WordPress?

Eine tolle Frage kam von einem Consultant, der einen potenziellen Kunden von WordPress überzeugen wollte bzw. überzeugt hat für sein Projekt. Er fragte Matt darauf hin, wie er in 30 Sekunden jemanden von WordPress überzeugen würde.

Die erste und meines Erachtens beste Antwort war: Zeige Beispiele! Viele denken von WordPress immer noch als kleines Blogsystem, aber große Firmen machen es vor, dass es auch anders geht. Mit guten Beispielen kann man schnell Leute davon überzeugen, dass WordPress jedes Problem lösen kann.

Nicht umsonst ist der zweite Menüpunkt auf WordPress.org Showcases. Dort werden viele Webseiten gelistet, die WordPress nutzen und ein gutes Beispiel für den Vielfältigen Einsatz von WordPress sind.

Allerdings betonte Matt auch, dass er glaubt, dass alles was mit WordPress möglich ist auch mit Drupal machbar ist und andersrum.

Falls die Frage über Sicherheit kommen sollte kann man anmerken, dass viele Regierungsseiten mit WordPress laufen und dabei Sicherheit natürlich Groß geschrieben wird (ich glaube Matt meinte damit nicht die Deutsche Regierung 😉 ). Zudem sprach er auch ein indirektes Lob an Facebook aus. FB, so Matt, habe einige der besten Security-Experts und einige der Seiten die Facebook hostet basieren auf WordPress. Am Ende kann man WordPress sehr unsicher betreiben, aber genau so kann man es auch sehr sicher machen.

Auf Twitter kam eine gute Anmerkung dazu rein und ein Link zu einem GitHub Projekt, dass genau auf diese Frage abzielt:

Nikolay Bachiyski (@nikolayb) zukünftiger WordPress Security Guy

Eine kleine Ankündigung, die Matt einfach so in einer Antwort dazwischen geschoben hat, war dass Nikolay Bachiyski zukünftig für die Sicherheit rundum WordPress verantwortlich sein wird. Nachdem Andrew Nacin, der diesen Job vorher tat, gegangen ist und nun für das Weise Haus arbeitet (Quelle, Quelle), musste natürlich ein würdiger Nachfolger her.

Wapuu Pepe und Pepa sind die offiziellen WordCamp Europe 2015 Maskottchens

PHP 5.2 – Mindestanforderung

WordPress hat nach wie vor als Mindestanforderung PHP 5.2. Diese Version wird allerdings nicht mehr weiterentwickelt (End of Life) und daher kommt auch die (berechtigte) Frage, warum WordPress diese Mindestanforderung noch hat und wenn sie endlich geändert wird.

Die Mindestanforderungen zu ändern ist immer ein kritischer Schritt der gut überlegt sein sollte. Für WordPress ist dies sicherlich noch wichtiger als bei kleineren Plugins oder Themes. Matt erklärte daraufhin, dass dieser Schritt gemacht wird. Allerdings steht noch nicht fest wann. Denn sie sehen, dass noch viele WordPress Versionen auf PHP 5.2 laufen und es wäre schlimmer nun auf PHP 5.3 zu wechseln und diese Versionen einfach hinten runter fallen zu lassen. Denn solten viele Webseiten plötzlich keine Updates mehr bekommen wären die einem großen Sicherheitsrisiko ausgesetzt.

Matt erwähnte, dass sie selber sich eine Grenze gesetzt haben und wenn diese Grenze von den Statistiken überschritten bzw. in diesem Fall unterschritten wird, also wenige Installationen auf PHP 5.2 setzten dann kann man auch den Schritt auf PHP 5.3+ machen.

GlotPress und Multilingual

Die nächsten zwei Fragen drehten sich um GlotPress und um eine native Unterstützung von Mehrsprachigkeit innerhalb WordPress (Multilingual). Matt findet beide Bereiche wichtig und es ist gut darüber zu reden, aber er ermutigte jeden sich zu engagieren und mitzuarbeiten um diese Probleme in den Griff zu kriegen.

Konkret meinte er, dass er u.A. auch mehr auf GlotPress eingehen will und stärker schauen möchte wie es damit voran geht. Mit der Mehrsprachigkeit ist es allerdings etwas schwieriger, denn es gibt bis dato keine Lösung die alle zufrieden stellt und daher ist dieses Feature noch nicht im Core.

Customizer – Wichtig für die Zukunft

Matt ist ein Verfechter des doch so kontrovers diskutierten Customizer. Es gibt viele die dieses Tool in WordPress schätzen (zu dieser Gruppe zähle ich mich selber) aber es gibt auch viele, die den Customizer nahezu hassen.

Für Matt ist es ein wichtiges Tool um WordPress einem noch größerem Publikum zu präsentieren. Denn viele möchten sehen, wie sich Dinge verändern wenn Einstellungen vorgenommen werden und dafür ist der Customizer ein hervorragendes Werkzeug.

Wo geht die Reise hin?

WordPress hat inzwischen einen Marktanteil von rund 24%. Ein gesundes Wachstum ist nach wie vor zu sehen. Aber der Fokus allein auf Wachstum kann ja nicht der Weisheit letzter Schluss ein – Das ist richtig. WordPress hat während seines Bestehens immer wieder den Fokus neu gesetzt. Matt nannte z.B. die Integrierung von JavaScript. In den aller ersten Versionen wurde WordPress komplett ohne JavaScript geschrieben. Inzwischen wäre das nicht mehr vorzustellen. So ist es auch jetzt: gerade liegt der Fokus klar auf Mobile Devices, also Smartphones und Tablets.

WordPress muss besser für Touch Geräte werden. Z.B. rief Matt alle dazu auf die Admin Seite von WordPress mal mit seinem Tablet oder Smartphone aufzurufen und zu testen. Es braucht viele Meinungen um am Schluss das beste Endergebnis zu finden. Findet heraus was auch gut gefällt und berichtet was euch frustriert. Nur fals die Schwachstellen bekannt sind kann man sie verbessern.

Du hast die Haare schön …

Im Internet wurden Matts Haare oft erwähnt. Am Schluss wurde er danach gefragt.

Während der Q&A Session wurde auf Twitter (und sicherlich auch auf anderen Plattformen) Matts Haare erwähnt und warum es sie plötzlich so grau sind 😉 Die Moderatorin hat diese Diskussion ganz zum Schluss noch aufgegriffen und Matt danach gefragt, zur Freude aller Beteiligten.

Matt lachte darauf hin nur und schob es auf den „Stress“ seiner Arbeit und das man auch mal Veränderungen machen muss 🙂

Fazit

Das war eine sehr spannende Session und es hat viel Spaß gemacht Matts Meinungen zu den verschiedenen Themen zu hören. Ich bin sicher, dass wir viel erwarten können in den nächsten Monaten / Jahren, denn WordPress entwickelt sich stetig weiter und Matt macht keine Anstalten diesen Prozess aufzuhalten.

Veröffentlicht von Hans-Helge

Als studierter Informatiker arbeitet Hans-Helge gerne als freiberuflicher WordPress Entwickler und betreut neben eigenen Projekten viele andere Webseiten u.A. im ehrenamtlichen Bereich.

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4 Kommentare

  1. > Es wäre schön, wenn Rosetta, das Theme welches hinter WordPress.org steht, eine höhere Priorität bekommen könnte.

    Stimmt, daran wurde und wird auch gearbeitet. Mindestens genauso wichtig sind für die Leute, die mit und auf de.wordpress.org arbeiten möchten, aber bessere Mittel der Kommunikation: z.B. ein P2-Blog für Diskussionen und Zusammenfassungen von Slack-Meetings, und/oder eine Finanzierung des Slack-Accounts, so dass die Archive dort erhalten bleiben.

    In der Prioritätenliste scheint der Komfort derer, die auf .org arbeiten sollen bzw. wollen, scheinbar an ziemlich letzter Stelle zu kommen – nach Theme- und Pluginverzeichnissen, die mittlerweile zwar theoretisch übersetzbar sind (toll!), aber eben erst noch übersetzt werden müssen, bevor die Arbeit daran wirklich einen praktischen Nutzen bringt.

    1. Ich stimme dir zu. Es wäre nötig die Priorität hochzuschrauben. Allerdings finde ich es auch schön zu sehen, dass überhaupt was passiert. Z.B. finde ich es ziemlich toll, dass das Plugin / Theme VZ nun endlich da ist 🙂 Das ist doch auch schon mal was. Man darf nicht immer nur fordern und kritisieren sondern sollte auch mal das loben was schon umgesetzt worden ist.

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