Wir schreiben den 2. Dezember 2016. Die Republik hat Stellung gegen das Imperium bezogen und wartet auf die Rückkehr der lang vermissten Jedi-Programmierer. Durch massiven Landverlust wurde die Republik bis ins tiefere Hinterland gedrängt und nahezu alle Wege wurden gekappt um den Nachschub an Nahrung zu kontrollieren …

So ungefähr fühlt es sich für mich an, wenn ich Diskussionen über Programmiersprachen führe oder mitbekomme. Hier prallen Welten aufeinander und jeder versucht dem anderen seine Meinung aufzudrängen und wenn das nicht gelingt dann machen wir ihn doch wenigstens fertig und betonen mit, inzwischen zu, lauter Stimme, dass die andere Programmiersprache schlecht und überholt ist. Sie ist zu nichts zu gebrauchen!

Ich bin diesen Diskussionen überdrüssig geworden. Ich halte mich noch nicht für so alt und doch habe ich schon zu viele solcher Diskussionen Glaubeskriege gehört. Es ist immer das selbe Schema: Nikon ist besser/schlechter als Canon – Apple ist „sicherer“ als Windows – Ruby ist „schneller“ als PHP.

Vor wenigen Monaten habe ich beschlossen eine neue Programmiersprache zu lernen, JavaScript. Nicht weil ich PHP den Rücken kehre und auf den „hippen“ NodeJS Zug aufspringen will, sondern weil es mich fit hält und ich mich gerne in neue Technologien oder Praktiken rein denken möchte. Ich habe zwar schon JavaScript geschrieben, aber das war bis dato wohl mehr schlecht als recht um ein paar Pixel im Frontend zu schubsen. Ich war nie wirklich gut drin und meine jQuery Snippets habe ich mir dann doch immer von StackOverflow geklaut. Nun wollte ich mir mal die andere Seite anschauen und lerne inzwischen NodeJS, ES6 und das Framework AdonisJS. Dabei habe ich auch die ein oder andere Diskussion gelesen, ob JavaScript / NodeJS besser ist als PHP.

Spulen wir aber noch mal kurz zurück. Woher kommt denn nun der Drang diesen Post zu schreiben? Im Grunde bin ich von Anfang an dieser Typ von Mensch gewesen, der solchen Diskussionen aus dem Weg geht. Ich halte wenig davon, weil sie viel zu oft von Emotionen bestückt sind und selten auf klaren Fakten die vergleichbar (!) sind. Ich besitze eine Nikon Kamera und ich finde sie toll. Sicherlich ist Canon auch gut und hat ein paar Merkmale in denen sie besser ist. Aber ganz ehrlich, damit diese Unterschiede für mich als Laie entscheidend wären müsste ich doch mehr Richtung Profi tendieren.

Ok nun bin ich aber Programmierer. Profi-Programmierer nicht weil ich besser bin als andere, sondern weil es mein Beruf ist. Ich bin Informatiker, habe viel Wissen über Programmiersprachen, Techniken, Praktiken gesammelt und weiß mehr als manch Laie. Und dennoch ist es mir teilweise ziemlich egal, wenn mir Leute sagen: „Was du nutzt PHP? Das ist total alt und schlecht. Nutze lieber Ruby/Elm/Go/etc.“

Im Frühjahr 2016 gab es genau so eine Diskussion auf der Subscribe 7, einer Podcast Konferenz in Berlin, die mir noch mal ganz neu gezeigt hat wie sehr ich solche Diskussionen verabscheue. Ich stand mit 3 weiteren Herren in der Runde und wir sprachen etwas über unsere Projekte und sind am Schluss auf das Thema Programmiersprachen gekommen. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich PHP verwendet und meine Projekte mit WordPress durchziehe. Doch irgendwie haben plötzlich alle in der Runde über PHP abgezogen und nannten (teilweise falsche) Fakten über die Sprache um zu zeigen, wie gut doch andere Sprachen seien. Was mich daran störte war, die Einseitigkeit. Es werden dabei Sprachen in künstlichen Benchmarks gegenüber gestellt nur um zu sagen: Oha Ruby kann also 100 Request mehr in der Sekunde verarbeiten als PHP. Dass dabei dann aber nicht die neuste PHP Version genommen wird verschweigt man dann wohl lieber.

Über die Benchmarks kann ich aber noch hinweg sehen. Was mich um so mehr stört ist der Fakt, dass der Anwendungsfall gar nicht beachtet wird. Was wünscht sich der Kunde? Bauen wir schon auf bestehende Systeme auf? Ist dieser Use Case mit dieser Sprache am besten gelöst? Gerade die letzte Frage wird selten gestellt. Diese Leute meinen es herrscht der Satz: One Programming Language to Rule Them All! Das ist falsch. Es gibt verschiedene Sprachen, weil sie u.A. für verschiedene Ansätze entwickelt wurden.

Mir ist durch aus bewusst, dass PHP nicht am besten abschneidet in Benchmarks (das hat sich mit PHP7 zum Glück etwas gebessert), aber es läuft! Warum sollte ich für mein Projekt Erlang verwenden nur weil es von WhatsApp verwendet wird? Ich bin glücklich mit PHP (und JavaScript inzwischen) und sehe, dass man damit genau so gute Web-Apps bauen kann wie mit Ruby oder Python. Und ich sage euch, keine Sprache ist makellos! Keine.

Am Ende interessiert es den (zahlenden) Kunden einen feuchten Dreck welche Sprache verwendet wurde. Hauptsache es funktioniert. Und wenn es mal nicht läuft, dann liegt es selten an der Sprachen, sondern am Programmierer, der vielleicht einfach noch zu unerfahren ist.

Also liebe Leute, hört auf über Programmiersprachen, Technologien, Devices, Hardware, Frameworks, CMSs zu schimpfen und redet viel mehr über Ideen! Die Sprache ist zweitrangig.

Veröffentlicht von Hans-Helge

Als studierter Informatiker arbeitet Hans-Helge gerne als freiberuflicher WordPress Entwickler und betreut neben eigenen Projekten viele andere Webseiten u.A. im ehrenamtlichen Bereich.

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5 Kommentare

  1. Ja, und Amiga war besser als Atari (oder umgekehrt) 🙂 Auch ich bin es so unglaublich Leid und verweigere mich nach Möglichkeit einer solchen Diskussion.
    Es gibt ein Problem, das es zu lösen gilt und ich wähle die dazu passenden Werkzeuge aus.

  2. Also, ich habe eine Nikon D90 – beste Kamera ever und einen Mac weil Windows kacke ist.

    Ich frage mich wenn ich von so vielen höre das Sie der Diskussion leid sind warum immer noch so viele geführt werden?

    Dein Fazit ist hier entscheidend: Das Ergebnis zählt nicht die Mittel!

    1. Naja anscheinend sehen es ja noch nicht alle so, wie ich. Denn wenn das so wäre hättest du recht und die Diskussionen würden nicht mehr stattfinden.

      Ja bin davon überzeugt, dass das Ergebnis wichtiger ist als das Mittel. Ich sollte daher erst wissen was ich haben möchte um dann meine Werkzeuge zusammenstellen zu können.

  3. Ich bin derartige Bashing-Aktionen gegen Betriebssysteme, Programmiersprachen oder was immer seit den guten, alten Mailbox-Zeiten mit Fido/Compuserve gewöhnt. Sowas bereitet bis zu einem gewissen Punkt viel Vergnügen … wenn man einen Punkt im Auge behält:

    Nicht die Programmiersprache entscheidet, was herauskommt, sondern die programmierende Person.

    Oder, auf neuhochdeutsch:
    A fool with a tool is still a fool.

    Ob Asm, C, C++, Fortran, Perl, PHP, Python, Ruby, … – als „Oldie“ im Programmiersektor frage ich zunächst nur:
    Wie lange ist die zu erwartende Lebensdauer der Anwendung beim Kunden, ohne dass er jemanden nur wegen eines Sprach-Updates zur Umprogrammierung beauftragen muss?

    Entsprechend ist das eine Zeitfrage und somit letztendlich ein echter Kostenfaktor für den Kunden. Das gilt es für mich im Einzelfall zu bewerten.

    Wenn ich bedenke, dass manche aktiv verwendete und gepflegte Anwendungen über 20 Jahre auf dem Buckel haben, dann frage ich mich manchmal ganz leise, was manche (hochbezahlte) Leute im Kopf haben …

    Achso, jetzt wird’s noch länger:
    Ich habe manchmal eine uralte Nikon im Einsatz, die auf Wunsch ohne Batterie funktionert und im Notfall als Hammer verwendbar ist (kein billiges Kunststoffgedöns). Mehrere Wochen echtes Outdoor und richtige Minusgrade/Hitze, da weiss manN sowas zu schätzen.

    Die Bilder sind, wenn ich (!) keinen Fehler mache, trotzdem erstklassig.

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